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Sanfte Zerstörung: Ein Manifest
(eine theatralische Performance)
Zum 2. Jubiläum unserer Sanften Zerstörung haben wir etwas ganz besonderes für Euch: Unser (erstes) Manifest als theatralische Performance! Darin (zer-)stören wir den Mythos der femininen Sanftheit, um aus dessen Scherben eine neue Utopie zu kreieren: die Sanfte Zerstörung.
Die AUFFÜHRUNGEN finden im Rahmen des queerfeministischen Filmfestivals Visibilities (@visibilities.filmfestival) im Kant Kino hier in Berlin statt.
DO 19.10.2023 | 19 Uhr - SOLD OUT
MI 25.10.2023 | 18 Uhr - TICKETS
SANFTE ZERSTÖRUNG – EINE ZERSTÖRUNG IN DREI AKTEN
Unsere Protagonist:innen KALI und KASSANDRA sind Göttinnen und mythologische Figuren. Als göttliche Instanzen fügen sie sich nicht gänzlich in das menschliche Schema der Geschlechterbinarität ein. KALI, die blutrünstige Göttin, die einen Rock aus den abgerissenen Armen ihrer Feind:innen und eine Kette aus ihren Schädeln trägt, kann nicht nur zerstören, sondern auch erschaffen. KASSANDRA wird durch Apoll die Macht der Weissagung verliehen. Da sie ihn verschmäht, legt er einen Fluch über sie, der dazu führt, dass niemand ihren Weissagungen glaubt.
An ihrer Stelle könnten auch viele andere stehen - etwa Frau Daddy…oder die durch verschiedene Geschlechter wandelnde Gottheit Loki – vielleicht auch Lady Gaga? So genau werden wir uns nicht festlegen.
I AKT – SANFTHEIT ZERSTÖREN
Chor: Die Sanftheit
Kassandra: Mir wurde sie zugesprochen
Kassandra Monolog: Als mir mein Vater sagte, dass ich nicht etwa mit meinen Händen, sondern mit meinem sanften weiblichen Wesen den Brunch für die Familie zubereitet hätte.
Kali: Mir wurde sie abgesprochen
Kali Monolog: Als mir gesagt wurde, dass mein Blick so temperamentvoll sei. Dass man mich nicht ansprechen wolle, weil ich böse schaute.
Kassandra: Ich bin Kassandra und weiß wirklich alles. Nur glaubt mir niemand.
Kali: Ich bin Kali, Göttin der Zerstörung. Ich trinke Blut. Was die anderen denken, ist mir wirklich egal.
Chor: Die Sanftheit
Chor: Was Ann-Kristin Tlusty sagt:
Kassandra: Die sanfte Frau ist gut im Geben,
Kali: niemals laut,
Kassandra: niemals fordernd.
Kali: Still leistet sie das, was verschiedene Strömungen des Feminismus mal als Reproduktionsarbeit,
Kassandra: mal als Care-Arbeit bezeichnen.
Chor: Still legt sie auf diese Weise fortwährend das Fundament allen kapitalistischen Wirtschaftens.
Kassandra: Aber warum macht sie das?
Kali: Naja, weil sie es kann! Und zwar viiiieel besser: Die Sanftheit ist der Mythos von der weiblichen Kompetenz besser zu caren
Kassandra: : – besser zu kehren
Chor: Also besser zu arbeiten.
Kali: Die ideale Frau ist dabei nicht nur sanft:
Kassandra: Sie ist weiß.
Kali: Cis und bürgerlich. Ihr Kümmern ist keine Arbeit, sondern ihre natürliche Berufung: Ein ihr innewohnendes Streben nach dem Umsorgen anderer.
Kassandra: Tröstet dich, wenn du traurig bist.
Kali: Hat Sex mit dir, wenn du notgeil bist.
Chor: Und das alles aus Liebe!
Kassandra: Die kolonialisierte Frau -
Kali: Nicht gerade ideal.
Kassandra: Sie ist nicht sanft, sondern wild und ungestüm. Für die Feldarbeit reicht es allemal
Kali: Dass sie arbeitet, ist kein ja Skandal:
Kassandra: Während sie die Kinder der Kolonialherren erzieht,
Kali: – wird sie natürlich selbst von der sanften Hand der westlichen Zivilisation erzogen.
Kassandra: Und wen gibt es noch?
Kali: Die Hure?
Kassandra: Sie erledigt den Sex und spendet den Trost.
Kali: Die Arbeiterin?
Kassandra: Erledigt die Arbeit zum geringeren Lohn.
Kali: Die Hausfrau?
Kassandra: Stellt wie am Fließband neue Arbeiter her.
Kali: Die Girlbossin?
Kassandra: Engagiert die migrantische Frau, denn die Hausarbeit ist für sie und ihren Mann wirklich viel zu schwer.
Kali: Das wars aber nicht, es gibt doch noch so viele mehr! Sie sind auch trans und nicht-binär!
Kassandra: Das ist letztlich einerlei.
Chor: Wie man es auch dreht und wendet, ihre und their Fürsorge wird umsonst gespendet.
Kali: Als Gott sprach: Es werde Licht, schrie der Mann hinterher: Tischlein deck dich! Hex Hex und schon war der Tisch mit den schönsten Speisen gedeckt! Goldenes Zeitalter möchte man meinen: Denn es bedarf nichts weiter als einer Zauberformel für die göttlichen Speisen!
Kassandra: Das geht nicht mehr so weiter. Das macht mich ganz grob vor Wut.
UND WIE GEHT ES NUN WEITER? WO IST DIE SUBVERSION - DIE SANFTE ZERSTÖRUNG?
Das gesamte Stück in aufgeführter Form bekommt ihr am 19. und am 25. Oktober im Rahmen des queerfeministischen Filmfestivals Visibilities (@visibilities.filmfestival) im Kant Kino hier in Berlin zu sehen.